06.12.2019

Ein Rückblick auf Europas größten Ideen-Hackathon für Gründerinnen

Reise ins Morgen-Land

The Xathon is Europe's largest ideas hackathon for female founders

     

Welche Business-Idee hat Zukunft? Um das herauszufinden, kamen beim Xathon in Berlin rund 150 talentierte Frauen zusammen. Wir haben drei von ihnen, die für Henkel in Dubai, Düsseldorf und Stamford arbeiten, begleitet. So verschieden wie die drei Frauen selbst sind ihre Ideen für das Unternehmen von morgen.

Als sich Kate Davidson in Stamford, Connecticut, auf den Weg nach Berlin macht, ist ihre Geschäftsidee eine ganz andere als drei Tage später. Das überrascht sie nicht. „Es freut mich sogar. Ich hatte mir genau das vom Ideen-Hackathon erhofft. Networking mit anderen Frauen, die aus anderen Ländern und Geschäftsbereichen kommen und zusammen Neues entwickeln.“

Kein Spaziergang

Um das zu erreichen, ist der Zeitplan des zweieinhalb Tage langen Ideen-Hackathon für Frauen straff. 22 Mentoren und elf Coaches sorgen zusammen mit den Teilnehmerinnen dafür, dass die jungen Ideen laufen lernen – und das schnell. In mehreren Ideation Sprints wird das Potenzial jedes Vorhabens ausgelotet. Der Xathon soll den Gründergeist von Frauen fördern. Von ihnen gibt es unter den Start-up-Unternehmern zu wenige, nicht nur in Deutschland. Die Veranstaltung hat Henkel unter anderem mit Facebook, der Investitionsplattform SAP.iO und Grace, Accelerator für Female Entrepreneurship, ins Leben gerufen.

Drei Frauen, drei Wege

Unter den Bewerberinnen, die zum Xathon eingeladen wurden, arbeiten 20 für Henkel. Genauso wie Kate hat Zoubida Tazi sofort beschlossen mitzumachen, als sie von dem Event erfuhr. „Ich dachte gleich: Zoubida, das ist genau das Richtige für dich!“ Zoubida, die für Henkel in Dubai arbeitet, lächelt, ihre Augen strahlen. „Ich habe einige Business-Ideen.“ Als sie in Lyon studierte, leitete sie einen Verband, der junge Unternehmer bei der Gründung in Marokko unterstützt. Eines ihrer Herzensthemen – nicht nur, weil sie dort geboren ist.

In Berlin geht es Zoubida um ein weiteres Thema, für das sie brennt: „Female Empowerment“. Die Mutter zweier Mädchen, drei und sechs Jahre alt, will mehr Gleichberechtigung von Frauen und Männern in Unternehmen – ob bei der Bezahlung, Elternzeit oder den Aufstiegschancen.

Zusammen mit Lucie Heidar (links), ihrer Kollegin aus Dubai, und Nadya Huang (Mitte), Henkel Düsseldorf, präsentiert Zoubida Tazi „WE'R – the Women Empowerment Rating“. Ihr Label, das das Team zuerst bei Henkel einführen möchte, soll zum Standard für Industrieunternehmen werden. „Es gibt bereits Siegel für Qualität, Nachhaltigkeit, Fair Trade, aber noch keines für Female Empowerment am Arbeitsplatz“, sagt sie. Das soll sich ändern. „Nur was sich klar messen lässt, können wir verbessern!“.  

Auch Eileen Raßlenberg, eine der jüngsten Teilnehmerinnen, beschäftigt sich mit der Unternehmenskultur. Sie kam 2014 zu Henkel, als duale Studentin in den Fächern Chemie und Biotechnologie. Inzwischen macht sie ihren Master. Eileen will den Austausch von Mitarbeitern mit ganz unterschiedlicher Ausbildung und unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen im Unternehmen fördern. „Der Xathon ist gerade dafür spannend“, sagt sie. „Dazu kommt, dass ich mir sehr gut vorstellen kann, selbst ein Unternehmen im Bereich Chemie und Nachhaltigkeit zu gründen.“ Seit ein paar Monaten ist sie deshalb im Venture Club der Stadt Münster, wo sie auch studiert.

Die Idee, die Eileen Raßlenberg (links), und ihre Düsseldorfer Kolleginnen Karla Nüsing (Mitte) und Monika Böhnke im Pitch vorstellen, ist ein globales Kollaborationsnetzwerk bei Henkel. Jeder im Unternehmen soll unter den hoch qualifizierten Mitarbeitern schnell und einfach passende Ansprechpartner finden. Erster Schritt: Karten, auf die jeder in der Weihnachtszeit einen Wunsch oder eine Frage schreiben kann, für die es möglicherweise die Antwort im Konzern schon gibt. „Wir wollen klein anfangen, um am Ende Großes im Unternehmen zu verändern“, erklärt Eileen.

Waschmittelkauf ohne Qual der Wahl

Die Idee von Kate Davidson, mit der sie in den Xathon gestartet ist, stammt aus einem Bereich, in dem sie sich bestens auskennt: Produktentwicklung für Laundry & Home Care. Seit 2013 arbeitet sie in Stamford, zuerst für den US-Waschmittelhersteller Sun, nach dessen Übernahme für Henkel.

Sie möchte den US-Konsumenten die Wahl zwischen hunderten verschiedenen Produkten für die Wäsche abnehmen. „Der Kunde füllt online einen Fragebogen von Henkel aus und beantwortet zum Beispiel, wie viele Personen im Haushalt leben, ob er oder sie Sport treibt und so weiter.“ Dann kommt ein Paket nach Hause, das genau das enthält, was der Kunde braucht. Die Waschmittelnamen sind an seinen Bedürfnissen orientiert. Produkte à la Kate heißen zum Beispiel „I‘ve worked out“ oder „My messy kids“. Alles kommt in kleinen, handlichen Packungen, um zuhause nicht zu viele unterschiedliche Waschmittelflaschen horten zu müssen.

US-Idee plus Nachhaltigkeit

Wo sie Verbesserungspotenzial für ihre Idee sieht? Diese Frage von Coach Jan Ehlers von der ESCP, Europe Wirtschaftshochschule Berlin, kann Kate schnell beantworten. „Das Ganze ist zwar sehr bequem für den Konsumenten, aber noch nicht nachhaltig.“ Sie tut sich mit zwei Kolleginnen aus Düsseldorf zusammen, Sophie Kath und Alexandra Lohkamp, die sich mit neuen Ideen für Waschmittel und seine Verpackung befassen.

Für Jan Ehlers ist genau das der richtige Ansatz. „Wir brauchen in Unternehmen die Bereitschaft, unfertige Ideen von einem auf den anderen Tag zu verwerfen, wenn wir merken: Das war noch nicht das Richtige. Viel zu oft werden Ideen einfach stoisch weiterverfolgt, wenn sie erst einmal in der Welt sind.“

Kate Davidsons Idee, die sie und ihre beiden Düsseldorfer Kolleginnen im Pitch präsentieren: Laundry Boxes – einzelne Boxen für verschiedene Waschmittel, die sich auf der Waschmaschine stapeln und beliebig oft wieder befüllen lassen. Die Refill-Packungen kaufen die Kunden online oder im Einzelhandel. Alle Verpackungen sind aus nachhaltigem, recycelbarem Material. Das Team will durch die Laundry Boxen mindestens 30 Prozent des bisherigen Verpackungsmülls vermeiden.  

Als der Xathon nach zwei intensiven Tagen zu Ende geht, sind Kate, Zoubida und Eileen müde, aber glücklich. Zwar hat keine von ihnen einen Preis – hochkarätige Gründer-Trainings in Berlin, Paris oder Venedig – ergattert. Trotzdem war der Hackathon ein Riesengewinn, finden sie. Für Kate, der es um ihr Know-how als Führungskraft geht, war der kreative Prozess besonders spannend.

Frauenpower: „Female Entrepreneurship“ weltweit

Weltkarte

   

Ideen aus der Lotusblüte

„Die Lotusblüten-Technik zum Beispiel kannte ich noch nicht und will sie auf jeden Fall mit meinem Team ausprobieren.“ Bei dieser Variante des Mind Mapping geht es darum, zu einem konkreten Problem neuen Zugang und Lösungsideen zu finden. Das Lotusblüten-Diagramm, das die Gruppe zusammen bearbeitet, hilft dabei: In der Mitte wird die zentrale Fragestellung notiert, um sie herumstehen, wie auf Blütenblättern, die Ideen.

Auch für Zoubida war der Weg zum Pitch der eigentliche Gewinn. „Die unterschiedlichsten Menschen, Perspektiven und Probleme – das hat mich total inspiriert“, erzählt sie. Chemiestudentin Eileen hat viel für ihre Unternehmensgründung in spe gelernt. Auch in Zukunft will sie ihre eigene Komfortzone immer wieder verlassen, um Neues zu entdecken. „Immer wieder Ja zu sagen zu Möglichkeiten, die sich neu ergeben – das war einer der wichtigsten Tipps für mich.“

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Sylvie Nicol, Henkel CHRO

„Kämpfe für deine Ideen, sei Unternehmer und nutze die Chancen – denn du kannst etwas bewegen!“ Sylvie Nicol, Personalvorständin von Henkel, richtete sich in ihrer Eröffnungsrede an die Teilnehmer. „Als Unternehmen, das seit vielen Jahren Vielfalt fördert, glauben wir, dass es immer wichtiger wird, female Empowerment zu fördern. Wir wollen ein Arbeitsumfeld schaffen, das so vielfältig und facettenreich wie möglich ist, um die Wirkung und Innovation zu maximieren und den besten Mix an Talenten ohne Vorurteile zusammenzubringen.“

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Rahmyn Kress, global director of Henkel X Ventures

Rahmyn Kress, globaler Leiter von Henkel X Ventures, erklärt die Idee, die hinter der Veranstaltung steht: „Der Xathon hat die Aufgabe, eine Plattform zu schaffen, auf der weibliche Talente ihre persönlichen Grenzen ausloten und ihr Innovationspotenzial voll ausschöpfen – ohne irgendwelche Vorurteile ihnen als Frauen gegenüber. Ein Erfolg ist es, wenn wir eine Art „Geschlechterblindheit" erreichen. Wir fungieren als Katalysator, um den Wandel in der Wahrnehmung voranzutreiben.“

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The participants work together in small groups

Während der Ideation Sprints geht es um Kooperation und Kreativität. Die Teilnehmerinnen arbeiten in kleinen Gruppen zusammen. Einzelgespräche mit ihren Mentoren helfen, ihre Ideen weiterzuentwickeln. Coaches beraten sie in ihren Teams und bereiten sie auf die Pitches vor.

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The participants work together in small groups

Die Kreativ-Techniken und -Methoden der Coaches bieten neue Denkansätze. Beispiel: das Lotusblüten-Diagramm, bei dem es darum geht, ganz unterschiedliche Ideen für die Lösung eines Problems zu entwickeln.

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Lea Vajnorsky, Head of Platform Development at Henkel X Ventures and Dorothee Bär, Minister of State for Digital Affairs

„Es war der erste Xathon, aber definitiv nicht der letzte”, verspricht Lea Vajnorsky, Head of Platform Development bei Henkel X Ventures (im Foto links, zusammen mit Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitales). Ziel des Xathon sei es, Innovationen, die Talente von Frauen und Entrepreneurship zu fördern.

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Jan Ehlers, Team-Coach

Die Botschaft von Team-Coach Jan Ehlers: „Wir wollen, dass Ihr spielerisch und kreativ denkt. Wir möchten aber auch, dass Ihr Euch unwohl und unsicher fühlt. All das gehört zum Prozess, eine großartige Idee zu entwickeln.“

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The Jury awards a total of eight prizes for the best ideas and performances in the pitch.

Nach der finalen Pitchrunde vergibt die siebenköpfige Jury insgesamt acht Auszeichnungen für die besten Ideen und Performances im Pitch. Die Gewinner bekommen die Gelegenheit, in einem Grace-Bootcamp, im H-Farm Innovation Lab oder an der Business-Hochschule ESCP an ihren Talenten zu feilen.